In Feldkirch-Gisingen befindet sich das ehemalige Areal der Spinnerei F.M. Hämmerle, zentral im Tal zwischen Ardetzenberg und Eschnerberg, das durch die Ill geteilt wird. Die umliegende Bebauung entstand größtenteils nach Errichtung der Fabrik und ist durch Solitärbauten geprägt. Die Spinnerei wurde auf zuvor unbebauter landwirtschaftlicher Fläche errichtet und bildete den Ausgangspunkt für die Entwicklung eines eigenständigen Wohnviertels.
Auf Grundlage der historischen Analyse wurde eine Vision für das heute leerstehende Areal entwickelt. Trotz neuer Wohnbauten entlang der Ill fehlt dem Gebiet eine Quartiersmitte, obwohl es im Raumentwicklungskonzept als Stadtteilsubzentrum definiert ist. Ziel ist daher die Schaffung eines identitätsstiftenden Ortes der Begegnung.
Ein städtebaulicher Masterplan stärkt den Bestand und ergänzt ihn durch neue Baukörper. Historisch wertvolle Gebäude werden freigestellt, spätere Anbauten entfernt. So wird die ursprüngliche Setzung der Fabrikhalle wieder ablesbar und ein Vorplatz zur Hämmerlestraße geschaffen. Ergänzungen im Norden fassen den Stadtraum, definieren klare Kanten und werden durch eine neue Fußgängerbrücke über die Ill vernetzt. Ein östlicher Neubau schafft eine klare Adresse, der Staubturm wird als Hochpunkt weiterentwickelt.

Sitaution

Erdgeschoss Situation

STÄDTEBAU
Die ursprüngliche Setzung der Fabrikhalle parallel zur Ill ist durch spätere Erweiterungen kaum mehr ablesbar. Ziel ist daher die Freilegung der historischen Struktur durch den Rückbau jüngerer Anbauten. Dadurch entsteht ein klarer Baukörper mit Vorplatz und neuer Adresse zur Hämmerlestraße.
Nördlich der Halle ergänzen fünf Baukörper das Areal. Sie bilden eine klare Kante zum Grünraum und führen die bestehende Bebauungsstruktur fort. Gleichzeitig entsteht eine neue Quartiersstraße sowie eine verbesserte Durchwegung, unterstützt durch eine Brücke über die Ill.
Ein östlicher Neubau ergänzt die Halle funktional und räumlich. Die Aufstockung des Staubturms setzt einen identitätsstiftenden Hochpunkt im Quartier.

Axonometrie Gesamtareal

KONZEPTION ENTWURF
Das Konzept basiert auf den drei Prinzipien: Wiederherstellen, Fortschreiben und Erleben. Ziel ist es, die vorhandenen räumlichen Qualitäten der Halle – insbesondere den offenen Innenraum mit seinem Stützenraster – zu erhalten und gezielt zu inszenieren.
Durch den Rückbau technischer Einbauten wird die ursprüngliche Raumwirkung wieder erfahrbar gemacht. Neue Eingriffe erfolgen präzise und zurückhaltend, um die bestehende Struktur zu stärken und langfristig flexible Nutzungen zu ermöglichen.

NEUBAU ALS ZITAT
Der Neubau greift Tragwerk und Materialität der Bestandshalle auf und interpretiert diese neu. Eine Stahlkonstruktion im Raster der Halle ermöglicht stützenfreie Räume. Ein kompakter Funktionskern aus Stampflehm bildet das innere Gegenüber zur leichten Tragstruktur. Transparente und perforierte Fassadenelemente schaffen visuelle Verbindungen zwischen Innen- und Außenraum und machen die Nutzung nach außen hin ablesbar.




AUFWERTUNG DES BESTANDES
Die Fabrikhalle wird energetisch saniert und in ihrer Substanz gestärkt. Dach und Fenster werden erneuert, Oberlichter verbessern die Belichtung. Eine extensive Dachbegrünung und Photovoltaik ergänzen das Energiekonzept.
Im Inneren strukturieren neue Stampflehmelemente den Raum und setzen gezielte Akzente. Keller, Türme und technische Anlagen werden behutsam adaptiert und an neue Nutzungen angepasst, ohne den historischen Charakter zu verlieren.

Visualisierung Möglichkeitsraum

MÖGLICHKEITSRAUM
Der Hauptraum der Halle wird als nutzungsneutral verstanden und soll somit Spielraum für Aneignungsprozesse lassen. Die Qualität dieses Raumes ist geprägt von einer Endlosigkeit, die durch die eingesetzten Stützen entsteht. Unterstüzt wird das durch den im gleichen Abstand auftretenden Lichtstreifen, den die Oberlichter schaffen. Das „L” an Funktionsräumen hilft dabei, den Raum für verschiedene Nutzungen zu verwenden und ermöglicht so unterschiedlichste Bespielungs-Szenarien.


Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Untergeschoss

Grundriss Dachgeschoss

Blick in den Innenraum

Ansicht Neubau

Schnitt Lichthöfe

Schnitt Archiv

Blick zum Eingang

Blick von der Brücke

 Masterthesis Sommersemester 2023
Betreuung: Hon. Prof. Much Untertrifaller
Zweitprüfer: Prof. Oliver Fritz
Bearbeitung: Jakob Hermann
Auszeichnung: 
wa-Förderpreis Masterthesis -2023
      wettbewerbe aktuell  
Studienpreis seestern* - 2023
      Studienpreis HTWG Konstanz – beste Masterthesis
 

Gesamtlayout
Fotodokumentation ehemalige Spinnerei Hämmerle, Feldkirch, Februar 2023

Weitere Projekte

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